„Der Weg ist das Ziel“ – heißt es immer so schön. Aber was ist damit konkret gemeint? Lange Zeit dachte ich mir still und leise wenn ich diesen Satz hörte: „Schwachsinn – Die Almhütte, der Gipfelsieg und das Essen danach sind das Ziel!“. So oder so ähnlich mag es für viele sein, wenn sie ihre High-Tech-Wanderschuhe schnüren, die Ohrstöpsel des MP3-Players aufsetzen und mit schnellem Schritt im Takt zur lauten Musik Richtung Ziel losstarten. Sich abhetzen, um pünktlich zur Lieblingsserie wieder daheim am Sofa zu liegen, schnell ein wenig Sport machen, um ein schlechtes Gewissen zu vermeiden. Dann wird nämlich das Ziel – sei es der Berggipfel oder die Almhütte – das Einzige was zählt und wahrgenommen wird.
Ganz andere Ziele verfolgt man jedoch, wenn man sich dazu entscheidet, einen Pilgerweg, zum Beispiel den Jakobsweg, zu gehen. Hinaus in die Wildnis, Natur spüren, Freiheit atmen, dabei sich selbst finden – und zwar am besten alleine, das ist die Essenz des Pilgerns. Mit jedem Schritt werden die Gedanken klarer, mit jedem Schritt lässt man ein paar Sorgen des Alltags hinter sich und fängt an, die Welt neu zu sortieren. Plötzlich beginnt man die Schönheit der Natur wieder in ihrer vollen Pracht wahrzunehmen und merkt, wie unglaublich bunt und vielseitig unsere Welt da draußen ist. Irgendwann gesteht man sich dann vielleicht sogar ein, dass man sich selbst – einen kleinen Wurm im riesigen Universum – viel zu wichtig nimmt und viel zu viel unnötigen Ballast mit sich herumschleppt.
So mancher Pilger hatte im Zuge seiner Pilgerschaft unglaubliche Eingebungen oder ist einfach zur ein oder anderen Erkenntnis über sich selbst gekommen. Bei so einer Pilgerreise wird dann wirklich der Weg zum Ziel – denn dann ist man am Weg zu sich selbst. Diejenigen, die mutig genug sind, sich selbst zu begegnen, können sich auf einen der unzähligen Pilgerwege begeben – ein kleiner Tipp am Rande sind die Jakobswege in Österreich, die noch nicht allzu überlaufen sind.
Wer sich auf eine Pilgerreise begibt, darf sich zu Beginn ganz klar vor Augen halten: es kommt nicht auf die Dauer an, es gibt keinen Preis zu gewinnen. Egal, ob man in drei Tagen nach Mariazell oder Altötting geht oder einen Monat am Jakobsweg verbringt – der Effekt wird spürbar sein.
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